Fragen und Antworten zur Studie "China investiert"

Was sind die größten Neuigkeiten der Studie? Die wichtigsten Aussagen?

Alles in allem gibt die Studie „China investiert“ einen sehr umfassenden Überblick über die Aktivitäten chinesischer Unternehmen/ Investoren in Deutschland. Anhand von neuartigen Strategieanalysen wird – in Verbindung mit dem Kontextwissen – eine in sich geschlossene Informationsgrundlage für deutsche Unternehmer sowie Interessierte Leser geschaffen. Keine andere deutsche Seite bietet derzeit ein so umfangreiches Analyseportfolio. Genauere Details finden Sie unter www.china-investiert.de/ergebnisse-der-studie. Neuigkeiten im Kurzüberblick:

  • Systematische Darstellung der Investitionsstrategien und Motive von über 50 in Deutschland aktiven, chinesischen Unternehmen; signifikante Menge an analysierten Unternehmen lässt einzigartige Rückschlüsse auf Strategien und Entwicklungen zu
  • Übernahmeziele und Folgen werden zunächst allgemein erläutert und daraufhin auf die einzelnen Branchen heruntergebrochen
  • Wissenssammlung für wichtige Hintergrundinformationen zu Chinas Wirtschaftspolitik, chinesischen Direktinvestitionen sowie Schutzrechten (Patente & Gebrauchsmuster) in Europa und Deutschland

Wie sind die betrachteten Unternehmen in Ihrer Studie einzuordnen?

Die Unternehmen wurden nach verschiedenen Faktoren ausgewählt:
Zum einen konzentriert sich die Studie „China investiert“ auf Industrien, die in Deutschland stark ausgeprägt und gleichzeitig im Kern des Fünfjahresplans der chinesischen Regierung verankert sind. Das Fehlen von Kerntechnologien und Weltmarken sind kritische Treiber für die massiven Investitionen in deutsche Hochtechnologien. Hier tritt vor allem die Maschinenbauindustrie Deutschlands ins Rampenlicht. Qualität und Marken „Made in Germany“ sind beliebte Übernahmeziele für chinesische Unternehmen. Hinzu kommt, dass in bestimmten Industrien ein Ausbau chinesischer Innovationsfähigkeit sowie die Erschließung neuer Vertriebskanäle außerhalb Chinas eine bedeutende Rolle spielen. Im Bereich regenerativer Energien Beispielsweise sind chinesische Hersteller preislich kaum zu unterbieten. Kooperationen und Übernahmen deutscher Unternehmen sichern nicht nur Technologien und Marken, sondern auch Vertriebskanäle und Brückenköpfe in Europa. Ähnliches gilt für die Elektronikindustrie, die in China eine relativ starke Position innehat. Stärkung der europäischen Marktposition und das Gewinnen von Vertrauen (man siehe zum Beispiel den Vertrauenskonflikt zwischen den USA und Huawei) sind hier die Schlüsselfaktoren. Diese Faktoren machen die Branchen Maschinenbau, Elektronik und regenerative Energien zu Fokusbranchen für chinesische Investitionen – und somit zum Hauptaugenmerk für unsere Analysen.
Zum anderen betrachtet die Studie Unternehmen, die Aufgrund ihrer Größe und multidirektionalen Ausrichtung eine besondere Relevanz für deutsche Unternehmen aufweisen. Hierbei handelt es sich zumeist um Mischkonzerne, nicht selten riesige Megakonzerne, mit genügend finanziellem Kapital, um auch in Europa/ Deutschland Einfluss auf das wirtschaftliche Geschehen zu nehmen.
Innerhalb der Branchen wurden die Unternehmen ausgewählt, deren Investition eine besondere Bedeutung für das jeweilige deutsche Unternehmen, chinesische Unternehmen und/oder die dahinterstehende Industrie hat. Es handelt sich dabei ganz bewusst nicht nur um Erfolgs- oder Misserfolgsgeschichten. Vielmehr war die Idee einen umfassenden Überblick über die unterschiedlichen Ausprägungen, Abläufe und Folgen zu geben, die eine Übernahme bedeuten kann – sowohl für chinesische als auch deutsche Unternehmen.

Wird die Übernahmewelle anhalten? Womit müssen wir in Deutschland in den nächsten Jahren rechnen?

Betrachtet man die von der Studie „China investiert“ untersuchten Übernahmefälle könnte man auf den ersten Blick meinen, die Übernahmen fanden vor allem aufgrund der schwierigen wirtschaftlichen Situation vieler deutscher Unternehmen statt. Wir vermuten aber vielmehr, dass die Wirtschafts- und Finanzkrise Übernahmen lediglich erleichtert hat, in den wenigsten Fällen aber den Ausschlag für einen Deal gab. Der Fünfjahresplan der chinesischen Regierung und die damit verbundene Marschroute der chinesischen Wirtschaft ist trotz aller Öffnung der chinesischen Volkswirtschaft eng vorgegeben. Der gezielte Aufbau von Wirtschafts- und Technologiekompetenz wird zum Großteil unabhängig von kurzfristigen Wirtschaftslagen in anderen Volkswirtschaften abgewickelt. Das bedeutet, dass chinesische Unternehmen in den letzten Jahren im Vergleich zu europäischen Unternehmen stärker abschnitten als man dies bisher gewohnt war. Es ist allerdings davon auszugehen, dass sich die Verhandlungsposition deutscher Unternehmer bei Übernahmeverhandlungen bei einer Verbesserung der wirtschaftlichen Lage in Europa verbessern wird. Dennoch wird es auch in den nächsten Jahren zu Übernahmen deutscher Unternehmen durch chinesische Unternehmen kommen.
Zu berücksichtigen bleibt, dass chinesische Unternehmen durch vergangene Übernahmen allem Anschein nach viel gelernt haben. Die Übernahmen werden immer erfolgreicher und eine konstruktive und innovative Zusammenarbeit rückt ins Zentrum der chinesischen Akquisitions-Motivation.

Welche Rolle spielt hierbei genau die chinesische Regierung?

Um die Rolle der chinesischen Regierung bei der Übernahme von deutschen Unternehmen in vollem Umfang zu untersuchen, bedarf es einer noch intensiveren Analyse der chinesischen Wirtschaftspolitik. Es lässt sich dennoch sagen, dass die Regierung maßgeblichen Anteil an der Definition von Zielindustrien und Wirtschaftsräumen hat. So erstellte die Regierung detaillierte Länder- und Industriemappen aller relevanten Industrien. Hinzu kommt Unterstützung wirtschafts- und finanzpolitischer Art wie massive Subventionen oder Übernahmefinanzierungen durch den Staatsfonds.

Steigen die Investitionssummen bzw. welche Beträge werden investiert?

In Anbetracht der Tatsache, dass das Niveau der chinesischen Investitionen in der EU als auch in Deutschland im Vergleich zu Investitionen anderer relevanter Wirtschaftsräume noch auf einem sehr geringen Niveau ist, ist zu vermuten, dass die Investitionen durch chinesische Unternehmen oder den chinesischen Staat in den nächsten Jahren weiter stark wachsen werden. Das bedeutet im Umkehrschluss aber nicht zwingend, dass jedes Jahr mehr Unternehmen aufgekauft werden. Vielmehr ist davon auszugehen, dass einzelne Investitionsvolumina deutlich ansteigen werden. Das liegt zum einen daran, dass deutsche Unternehmer in wirtschaftlich günstigeren Situationen eine deutlich bessere Verhandlungsposition gegenüber dem chinesischen Käufer haben. Folglich wird der Preis für die Übernahmen steigen. Hinzu kommt, dass chinesische Unternehmen durch vergangene Übernahmen gelernt haben. Vor allem lernte man, dass eine komplette Restrukturierung oder ein Abbau des Unternehmens in Deutschland in den aller meisten Fällen nicht nachhaltig ist. Vielmehr erkennen chinesische Unternehmen den Mehrwert den der Standort Deutschland mit sich bringt. Daher ist zu erwarten, dass die Investitionen in F&E-Standorte, F&E-Projekte und Forschungskooperationen fließen werden. Und zwar deutlich mehr als bisher in die Akquisition von Unternehmen investiert wird.
Es muss folglich davon ausgegangen werden, dass die Investitionssummen weiterhin stark steigen werden. Die Investitionen kommen zukünftig aber wohl eher der Weiterentwicklung als dem Aufkauf von Unternehmen zu gute.

Eine valide Beurteilung über die zur Verfügung stehenden Investitionssummen kann die Studie „China investiert“ nicht leisten. Neben den Investitionen, die chinesische Unternehmen aus Eigenmitteln finanzieren stellt die chinesische Regierung der eigenen Wirtschaft einen Staatsfonds zur Finanzierung von Akquisitionen zur Verfügung. Die offiziellen Angaben sowie die Schätzungen über die Höhe der dort verfügbaren Investitionsmittel differieren stark. Man kann davon ausgehen, dass es sich um mind. US$ 450 Mrd. handelt.

Welche Chancen ergeben sich durch die Firmenübernahmen?

Eine Übernahme durch ein chinesisches Unternehmen stellt nicht per se eine Gefahr da. Zwar kam es in nahezu allen untersuchten Fällen zu einem Technologietransfer zwischen deutschen und chinesischen Unternehmen, dies ist aber an sich bei der gemeinsamen Entwicklung von Technologien oder Märkten nicht zu umgehen. Vielmehr war es in vielen Fällen für das übernommene deutsche Unternehmen eine wahre Chance mit dem starken finanziellen Hintergrund chinesischer Investoren Arbeitsplätze und Produktionskapazitäten in Deutschland zu erhalten und Technologien weiter zu entwickeln. Oft bot sich zudem die Möglichkeit, Teile des asiatischen Marktes zu erschließen.
Zu beachten bleibt, dass chinesische Investoren meist befristete Erhaltungsversprechen unterzeichnen; ob diese letztendlich eingehalten werden wird sich jedoch erst in der Zukunft zeigen.

Welche Risiken ergeben sich durch die Firmenübernahmen?

Neben dem Verlust von Arbeitsplätzen, Produktionskapazitäten und damit in vielen Fällen dem Ende von Traditionsunternehmen (bei Insolvenz/ Scheitern der Fusion) ist der Abfluss von wichtigen Schutzrechten und damit in Deutschland entwickeltem geistigen Eigentum das größte Risiko von Übernahmen durch chinesische Unternehmen. Die Tragfähigkeit des Hochtechnologiestandort Deutschland hängt massiv vom Schutz geistigen Eigentums ab. Die Innovationsfähigkeit und die einzigartige Technologiekompetenz deutscher Unternehmen bilden das Rückgrat der deutschen Wirtschaft. Bereits vor einigen Jahren verlor der Standort Deutschland einen Großteil der eigenen Produktionskapazitäten in Billiglohnregionen. Damit einhergehend verlor man auch das damit verbundene Know-how. Doch die deutsche Wirtschaft hat sich heute zu einer der wissensintensivsten Wirtschaftsregionen der Welt entwickelt. Um nicht auch diese Kernkompetenz mittelfristig an andere Wirtschaftsregionen abgeben zu müssen, muss die Fähigkeit geistiges Eigentum nachhaltig zu schützen und innerhalb der Wirtschaftseinheit zu halten massiv entwickelt und genutzt werden.

Was ist die größte Besonderheit bei den Investitionen im Maschinenbau? Womit müssen wir rechnen?

In der Maschinenbaubranche sind tendenziell der Zugang zu Technologie und die Sicherung der chinesischen Marktposition sowie die Entwicklung des europäischen Geschäfts als Motive zu beobachten. Der Schwerpunkt hängt dabei von der betrachteten Technologie und Situation des einzelnen Unternehmens ab. Vor allem chinesische Staatsunternehmen haben großes Interesse an Zugang zu deutscher Technologie.
Verfügt das chinesische Unternehmen dagegen bereits über eine hohe Kompetenz im jeweiligen Technologieumfeld steht die strategische Entwicklung der Marktposition im Vordergrund. Beispiele hier sind die Übernahmen der drei großen Maschinenbauern XCMG, Zoomlion und der Sany Group. Ziel ist es das starke chinesische Geschäft weiterzuentwickeln und weltweit mit hoher Technologiekompetenz vertreten zu sein. Daher investierten die drei Giganten in Technologie- und Marktführer - vor allem aus Deutschland.
Dieses Verhalten ist hauptsächlich durch die Sättigung und die damit wachsende Wettbewerbssituation in China zu erklären. Die Maschinenbauindustrie hat sich in China etabliert und die Volksrepublik stieg 2008 zur größten Maschinenbaunation der Welt auf. Heute kommen einige Technologieführer aus dem Reich der Mitte. Das bedeutet aber im Umkehrschluss auch, dass der Druck auf chinesische Maschinenbauunternehmen wächst. Internationale, besonders deutsche, Akquisitionen sind daher eine sehr gute Möglichkeit diesem Druck zu weichen und das Unternehmen international weiterzuentwickeln. Das wird auch in Zukunft zu beobachten sein.

Melden die Chinesen mehr Patente an?

Für die Vergangenheit lässt sich grundsätzlich festhalten, dass chinesische Unternehmen im Vergleich zu deutschen Unternehmen weniger Schutzrechte anmeldeten. Neben dem fehlenden Bewusstsein für die strategische Notwendigkeit ist dafür vor allem das bis vor wenigen Jahren marode chinesische Rechtssystem verantwortlich zu machen.
Doch in den letzten Jahren veränderten sich diese beiden Faktoren. Mit der Modernisierung seines Wirtschaftssystems hat China in den letzten Jahrzehnten eine rasante Entwicklung vollzogen, die in ihrem Ausmaß bis dato mit keinem anderen Land vergleichbar ist. Ein zentraler Punkt ist dabei der Schutz geistigen Eigentums. Die chinesische Regierung und die Unternehmen erkennen immer deutlicher den (strategischen) Mehrwert von Schutzrechten und die vorhanden Systeme passen sich immer mehr an die damit verknüpften Anforderungen an.
Inoffiziell ist Plagiarismus allerdings noch immer ein großes Thema in China.

Wächst die Wichtigkeit der chinesischen Patentdatenbank? Falls ja, warum? Welche Gefahren drohen?

Chinesische Unternehmen und Universitäten melden sehr viele Patente an. Bisher waren dies zumeist chinesische Patentanmeldungen. Nun beginnen die chinesischen Unternehmen und Universitäten zu selektieren, welche der vielen Patentanmeldungen auch nach Europa und die USA weitergereicht werden, so dass für diese originär chinesischen Erfindungen auch Schutz in Europa und USA erlangt wird. Die hiesigen Kanzleien berichten bereits von einem immensen Schwung an chinesischen Anmeldungen, für die nun Schutz hierzulande gesucht wird. Am deutschen Patentamt wurden im letzten Jahr 10 mal mehr Patente mit chinesischem Ursprung eingereicht als von hiesigen Firmen.
Dies führt zu zwei Risiken: Erstens wird die Welt und die Zuordnung des technologischen Besitzes damit komplexer: nicht mehr nur USA, Europa und Japan melden Patente an, sondern auch China. All diese Erfindungen werden auch hierzulande geschützt. Dadurch kann es sein, dass z.B. deutsche Firmen in Zukunft Patente von chinesischen Firmen verletzen und dann ggf. sogar Lizenzzahlungen an chinesische Firmen leisten müssen. Dies wird noch einige Jahre dauern, aber die Entwicklung wird in diese Richtung gehen. Das zweite Risiko ist, dass viele patentgeschützte Erfindungen aus China stammen und damit, solange die Erfindungen noch nicht nach Europa oder USA getragen wurden, nur in chinesischer Schrift vorliegen. Die Beurteilung einer deutschen Firma, ob ein bestimmter technologischer Bereich bereits besetzt ist oder nicht, wird dadurch sehr schwer, weil man chinesische Sprachkenntnisse braucht um diese Frage zu beurteilen.

2013 fanden bereits zwei Übernahmen/bzw. Mehrheitsbeteiligungen statt. Wie sind diese beiden Aktionen einzuordnen?

Über seine deutsche Tochtergesellschaft Xinneng International GmbH hat der chinesische Maschinenbauer Suzhou Xinneng Precise Machinery Company 51 % der Anteile an dem Schörzinger Unternehmen Degen Maschinenbau erworben. Dies berichtet die Südwest Presse.
Die Beteiligung der Suzhou Xinneng Precise Machinery Company an Degen Maschinenbau enthält einige typische Elemente, die die Studie „China investiert“ beschreibt. Die Partnerschaft zielt auf die für beide Unternehmen generierbaren Synergieffekte bzgl. der Erweiterung des Produktportfolios auf Seiten des chinesischen Unternehmens und der Erweiterung der „Marktkompetenz“ in Asien, speziell China, für das deutsche Unternehmen. Hinzu kommt die Möglichkeit den asiatischen Markt schneller und kräftiger anzugehen, aufgrund des finanziellen Hintergrunds von Xinneng. Da der finanzielle Druck auf die Degen Maschinenbau offensichtlich nicht unnatürlich hoch war kann als ein Grund gesehen werden, dass es „lediglich“ zu einer Mehrheitsbeteiligung kam.

Die Tianjin Motor Dies Europe GmbH, eine hundertprozentige Tochtergesellschaft der chinesischen TQM Tianjin Motor Dies Co. Ltd., hat die insolvente Heilbronner GIW-Gruppe gekauft. HEILBRONN (kk). Die Heilbronner GIW, Gesellschaft für innovative Werkzeugssysteme, ist spezialisiert auf Werkzeuge für die Umformung von Karosserieteilen im Fahrzeugbau.
Der Fall GIW lässt sich ebenfalls in das von der Studie „China investiert“ beschriebene Muster einordnen. Die finanziell schwierige Lage der GIW stellt den Auslöser für TQM dar, das deutsche Unternehmen zu übernehmen. Gründe für die Übernahme sind vor allem der Zugang zu Technologie-Know-how aus der Umgebung der Automobilindustrie.

Sorry, you can not to browse this website.

Because you are using an outdated version of MS Internet Explorer. For a better experience using websites, please upgrade to a modern web browser.

Mozilla Firefox Microsoft Internet Explorer Apple Safari Google Chrome